Die nächste Phase der Zerstörung Syriens

Translations

Shamus Cooke
German translation of The Next Phase in the Destruction of Syria 

31. Juli 2012

Die US-Medien haben ihre Absichten klar gemacht: die Syriens Regierung angreifenden „Rebellen“ müssen mehr Unterstützung haben, um die „Revolution“ in Syrien voranzutreiben. Dies war das Resultat des sehr aufgebauschten Vorrückens der syrischen Rebellen in die zwei größten Städte des Landes, welches die Westmedien als einen bestimmenden Moment der globalen Demokratie darstellten. Aber „Journalisten“ wie diese haben Blut an ihren Händen – und noch viel mehr klebt an ihren Arbeiten.

Die systematische Demontage von Syrien hat mehr zu tun mit westlichen Medienlügen und Geopolitik als mit „Revolution“, und je mehr die US-Medien zu diesem Blutvergießen anfeuern, umso mehr fühlen sich die Politiker berechtigt, es zu vergießen.

Baldiger Sieg?

Die Rebellenangriffe auf die Städte Damaskus und Aleppo waren faktisch dazu gedacht, die Westmedien davon zu überzeugen, dass die Rebellen vor einem Sieg stünden – in der Hoffnung, mehr direkte militärische Unterstützung aus dem Ausland zu bekommen. In Realität wurden die Angriffe in Damaskus sofort von der syrischen Regierung vernichtet, aber die US-Medien sagten einen „baldigen Sieg“ für die Rebellen voraus.

Plötzlich wird Syrien zu einem US-präsidentialen Diskussionsthema. Die Republikaner haben Obama beschuldigt, den Syrienkonflikt „auszulagern“, da er sich weigert, herbeigezogen zu werden, wenn die Rebellen eine Extraunterstützung verdienen (hauptsächlich Waffen). Und Obama ist der hauptsächliche Grund für diese humanitäre Katastrophe. Der Nahostexperte Robert Fisk erklärt:

Während Katar und Saudi-Arabien die Rebellen in Syrien bewaffnen und finanzieren, murmelt Washington nicht ein Wort der Kritik gegen sie. Präsident Barack Obama und seine Außenministerin Hillary Clinton sagen, sie wollen eine Demokratie in Syrien. Aber Katar ist eine Autokratie und Saudi-Arabien ist eine der brutalsten kalifisch-königlichen Diktaturen der Arabischen Welt.

Fisk unterlässt es zu erwähnen, dass Katar und Saudi-Arabien eigentlich Marionetten der US-Außenpolitik sind; sie würden nie unabhängig handeln, um einen regionalen Nachbarn zu stürzen; sie tun dies auf Befehl.

Syrien ist praktischerweise von engen Alliierten der USA umzingelt, und es geschieht durch diese Alliierten, dass Waffen und ausländische Kämpfer nach Syrien hineingeschmuggelt wurden, um eine massive Zerstörung zu bewirken. Die von den Rebellen gehaltenen Zonen von Syrien existieren nur an den ländlichen Grenzen mit der Türkei, Jordanien und Nordlibanon, Zonen, die sich an die amerikanische Außenpolitik anpassen.

Revolutionen sind Dinge, die sich in Städten abspielen, aber die syrische Revolution ist ein ländliches Unternehmen gewesen, seit ausländische Mächte beschlossen, das Land zu zerstören. Es ist ein glücklicher Umstand für die Rebellen, dass sich die zwei größten Städte in der Nähe der Grenzen dieser Länder befinden: die Rebellen machten einen schnellen Überfall auf die Städte, mit einigen Attacken, die in den Medien große Beachtung fanden, und dann wichen sie in die Grenzzonen zurück, um bei ihren Freunden Schutz zu suchen. Obwohl es wahr ist, dass es in der so genannten freien syrischen Armee Überläufer aus dem syrischen Militär gibt, ist es möglich, dass diese Überläufer einfach darum wetten, dass die USA langfristig keine Ausgaben scheuen werden, um die syrische Regierung zu stürzen.

Anhaltende Unterstützung für Assad

Eine Frage des gesunden Menschenverstandes, über die die US-Medien nie nachdenken, ist es, ob die Syrer ihr Land zerstört haben wollen – das unvermeidliche Resultat dieses Konflikts. Tatsächlich gibt es viele Anzeichen für das Gegenteil. Nach dauernden Jubelmeldungen über die syrischen Rebellen war die New York Times mehrmals gezwungen gewesen zuzugeben, dass in den zwei einzigen Großstädten Syriens riesige Pro-Regierung-Versammlungen abgehalten wurden:

Die Teilnehmerzahl (mindestens einige Zehntausend) auf dem Sabaa Bahrat Square in Damaskus, der syrischen Hauptstadt, hat einmal mehr den Grad an Unterstützung unterstrichen, die Herr Assad und seine Regierung immer noch bei vielen Syrern genießen… Diese Unterstützung ist besonders ausgeprägt in Städten wie Damaskus und Aleppo, den zwei größten des Landes.

Dies wurde zusätzlich durch eine Befragung bestätigt, finanziert durch die antisyrische Katarstiftung und durchgeführt durch die Doha-Debatten:

Gemäß der letzten von den Doha-Debatten in Auftrag gegebenen Meinungsumfrage unterstützen mehr Syrer ihren Präsidenten, wobei 55% nicht wollen, dass er zurücktritt. (2. Januar 2012.)

Dies sollte keine Überraschung darstellen. Die Syrer haben zusehen können, wie der Irak, Afghanistan und Libyen durch eine „Befreiung“ im US-Stil zerstört worden sind. Die Amerikaner sollten es auch besser wissen – und viele tun es – trotz des offenkundig kriminellen Verhaltens ihrer Medien.

Die Vereinigen Staaten setzen in Syrien eine Strategie ein, die über Jahre perfektioniert worden ist, beginnend mit Afghanistan (in den 1980ern), dann in Jugoslawien und erst kürzlich in Libyen:

Bewaffnen von kleinen paramilitärischen Gruppen, die den US-Interessen gegenüber loyal sind, damit sie die betreffende Regierung angreifen – auch mit Bombenanschlägen – und wenn sich die angegriffene Regierung dann verteidigt, schreien die USA „Genozid“ und Massenmord“, während sie zu einer militärischen Intervention aus dem Ausland aufrufen.

Die aufs Korn genommene Gesellschaft wird auf jeden Fall zerstückelt, Massenmord und ethnische/religiöse Gewalt, die unvermeidlich außer Kontrolle geraten, werden bewusst eingesetzt, um militärische Vorteile zu gewinnen; Flüchtlingskrisen sind ebenso natürliche Konsequenzen, welche zwangsläufig zu einer Destabilisierung über die Landesgrenzen hinaus und zu weitläufigeren regionalen Konflikten führen. Millionen von Leben sind auf jeden Fall zerstört, wenn nicht beendet. [Ron: Die Invasion und Okkupation der USA des Iraks und Afghanistans haben in jenen Ländern 20 Millionen Todesopfer verursacht, und der Völkermord und das Abschlachten gehen weiter.]

Es gibt klare Anzeichen dafür, dass der syrische Konflikt das Potential hat – wie vor ihm der Irakkrieg –, eine unglaubliche ethnische und religiöse Gewalt auf einer multinationalen Ebene auszulösen. Der benachbarte Libanon hat bereits als Folge der Lage in Syrien bewaffnete Auseinandersetzungen erlebt und ist ein Pulverfass von ethnischen und religiösen Spannungen, das nur einen Funken braucht, um zu explodieren. Und Syrien verspricht Flammen zu speien.

Der amerikanischen Bevölkerung sind die Bilder des unglaublichen Leidens und der sozialen Zerstörung, verursacht durch die Kriege im Irak und in Afghanistan, erspart geblieben. Der Syrienkonflikt geschieht daher in einer bereits destabilisierten Region und hat das Potential, das gesellschaftliche Gefüge eines Großteils des Nahen Ostens vollständig zu zerreißen.

Diese Kriegsverbrechen kommen niemandem außer den Superreichen zugute, die das Steuer der Regierungen übernommen haben und diese Position benutzen, die Wirtschaft des überfallenen Landes zu privatisieren, so etwa besonders die Erdölindustrie. Die Menschen in Syrien werden jedoch noch aus einem weiteren Grund als Kanonenfutter benutzt: damit die USA ein Sprungbrett zur Zerstörung des Irans haben (Syrien ist ein enger Alliierter Irans). Aber Russland und China handeln nun kühner hinsichtlich dieses Völkermord provozierenden Verhaltens, und es ist möglich, dass sie ihre Alliierten mit größerem Nachdruck verteidigen, eine Dynamik, die leicht zu einem regionalen oder sogar einem Weltkrieg führen kann.

Deshalb wird die Hölle, zu der der Nahe Osten geworden ist, von der US-Außenpolitik geschürt und angestachelt, und das mit absolut keiner Rücksicht auf die globalen Auswirkungen. Beide Hauptkandidaten für die US-Präsidentschaft machen in unterschiedlichem Grad Reklame für das Blutvergießen und stellen so sicher, dass die nächste Wahl eine frische „Legitimität“ für eine gleich barbarische amerikanische Außenpolitik liefert.

http://workerscompass.org/the-next-stage-in-the-destruction-of-syria/

 

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